Frauenquoten für Unternehmen

Was bürgerliche Frauen zur Frauenquote sagen

 Mit staatlichem Zwang Frauen in die Verwaltungsräte zu hieven, lässt Liberale erschaudern. Was aber, wenn man bürgerlich denkt und eine Frau ist?

Frauen sind in der Chefetage untervertreten. Deshalb soll neu mindestens eine Frau dem Verwaltungsrat angehören, trägt Economiesuisse seinen Mitgliedern auf (NZZ 30. 9. 14). Diese Mini-Frauenquote ist selbstverständlich freiwillig, dennoch ist sie eine Aufforderung an die Unternehmen, tätig zu werden: In rund 60 Prozent der kotierten Gesellschaften in der Schweiz sitzt keine Frau im Verwaltungsrat.

Die Forderung nach einer Frauenquote wird immer wieder aufs politische Parkett gespült. Jüngst ist auch bekanntgeworden, dass SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga eine Quote in der anstehenden Aktienrechtsrevision plant. Konkretes ist erst im November zu erwarten, jedoch kursieren Gerüchte, dass alle börsenkotierten Firmen nach einer längeren Übergangsfrist im Verwaltungsrat einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent ausweisen müssen.

. . . oder braucht es das nicht?

Die Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz, Carmen Walker Späh , begrüsst die neue Aufforderung von Economiesuisse an die Unternehmen ebenso. Staatlich festgelegte Frauenquoten für die Privatwirtschaft lehnen die FDP-Frauen aber ab. Seit 2012 machen die freisinnigen Frauen mit ihrer Kampagne «Nicht mehr oben ohne», unter anderem mit Generalsekretärin Claudine Esseiva, auf ihre Forderung nach mehr Frauen auf den oberen Etagen aufmerksam. Statt Quoten stellen sich die FDP-Frauen andere Lösungen vor. Man müsse bei der Ausbildung der Mädchen und Knaben in der Schule anfangen, aber auch die familienexterne Betreuung ermöglichen, ebenso wie Tagesschulen und Teilzeitstellen anbieten, damit Frauen am Erwerbsleben teilnehmen könnten. Denn, so sagt auch Walker Späh, es sei auf der Ebene der Geschäftsführung in gewissen technischen Branchen tatsächlich nicht möglich, genügend qualifizierte Frauen zu rekrutieren. Anders beurteilt sie das Potenzial hingegen für Verwaltungsrätinnen: Hier gebe es durchaus genügend topausgebildete Frauen, die strategische Entscheidungen fällen könnten. Zudem sei dies meistens kein 100-Prozent-Job. Es komme zwar vor, dass Frauen trotz guter Qualifikation übergangen würden, so Walker Späh. Trotzdem: «Keine Frau muss eine Quotenfrau sein», sagt sie, sofern die Wirtschaft nun einsehe, dass Handlungsbedarf bestehe, besonders auch nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative.

Kommentar FDP Frauen Schweiz:

Die FDP Frauen Schweiz haben eine Frauenquote nur in der öffentlichen Verwaltung gefordert. Eine Frauenquote in den Unternehmen war nie ein Thema. Wir nehmen aber erfreut zur Kenntnis, dass die Quotenfrage nun auch im Dachverband der Wirtschaft thematisiert wurde.